Mit dem kommenden Update 1.58 für Euro Truck Simulator 2 und American Truck Simulator nimmt SCS Software tiefgreifende Änderungen an einem der sensibelsten Bereiche der Spiele vor: der Fahrphysik und dem Kollisionssystem. Hintergrund dieser Überarbeitung ist nicht nur die kontinuierliche Verbesserung des Truck-Erlebnisses, sondern auch die Vorbereitung auf neue Fahrzeugtypen, die mit zukünftigen Inhalten wie Road Trip und Coaches ins Spiel kommen sollen.

Um diese neuen, oft leichteren, kürzeren und teils leistungsstärkeren Fahrzeuge realistisch abbilden zu können, musste das Entwicklerteam grundlegende Systeme „unter der Haube“ neu betrachten. Dabei ging es nicht um kleine Anpassungen, sondern um eine substantielle Weiterentwicklung der bestehenden Physik-Simulation, die über viele Jahre speziell auf schwere LKWs ausgelegt war.

Verfeinerung statt kompletter Umbruch

Trotz des großen technischen Umfangs war das erklärte Ziel klar: Das vertraute Fahrgefühl sollte erhalten bleiben – nur präziser, realistischer und reaktionsschneller. SCS-Programmierer Pavel Č. betont, dass man bewusst darauf geachtet habe, die gewohnte Truck-Simulation nicht zu verfremden. Vieles habe sich intern verändert, doch das Spielerlebnis solle sich weiterhin vertraut anfühlen – nur besser abgestimmt.

Verbesserte Gasannahme und realistischeres Rollen

Eine der ersten spürbaren Änderungen betrifft die Gasannahme. Diese wird nun korrekt aus einer Drehmoment-Kennlinie des Motors berechnet. In Kombination mit einem realistischeren Motorwiderstand beim Gaswegnehmen fühlt sich das Ausrollen natürlicher an, besonders beim gleichmäßigen Cruisen auf der Autobahn.

Zusätzlich dreht der Motor beim Anfahren nun leicht hoch, um Drehmoment aufzubauen, bevor das Fahrzeug in Bewegung kommt. Das lässt Trucks lebendiger wirken, stellte das Team jedoch vor Herausforderungen – etwa beim Anfahren an Steigungen. Als Lösung wurde ein Berganfahrassistent integriert, der diese Situationen zuverlässiger und kontrollierter macht.

Mehr Details im Fahrverhalten und Sound

Auch das Verhalten der Räder wurde überarbeitet. Beim Fahren abseits befestigter Straßen verändern sich nun Sturz (Camber) und Nachlauf (Caster) realistischer, wie man es von Starrachs-Aufhängungen kennt. Diese Details sind subtil, tragen aber spürbar dazu bei, dass sich Trucks auf unebenem Untergrund glaubwürdiger anfühlen.

Parallel dazu wurde auch das Sounddesign verfeinert. Turbolader-Geräusche reagieren nun präziser auf das tatsächliche Motorverhalten und verstärken das Gefühl, direkt mit der Technik des Fahrzeugs verbunden zu sein.

Neue Drossel-Logik für Tastaturspieler

Ein weiterer Fokus lag auf der Steuerung per Tastatur. Bisher war die Gasannahme hier oft ein „Alles-oder-Nichts“. Mit Update 1.58 führt SCS ein doppeltes Gaspedal-System ein: Wird die Taste gedrückt gehalten, beschleunigt das Fahrzeug nur teilweise und ermöglicht ruhiges, kontrolliertes Fahren. Für volle Leistung – etwa beim Überholen oder an Steigungen – kann die Taste doppelt gedrückt werden.

Diese Funktion ist standardmäßig deaktiviert, kann aber in den Einstellungen aktiviert werden. Laut SCS lohnt es sich, diese Option auszuprobieren – nicht nur für Trucks, sondern auch mit Blick auf zukünftige Fahrzeugtypen.

Überarbeitetes Kollisionsmodell in ATS

Für American Truck Simulator wurde zusätzlich das Kollisionsmodell fast aller Straßen angepasst. Besonders bei höheren Geschwindigkeiten, etwa beim Einfahren in Abbiegespuren auf Autobahnen, soll sich das Fahrverhalten nun stabiler und gleichmäßiger anfühlen.

Technisch lag das Problem in der bisherigen dreiecksbasierten Darstellung von Straßenkrümmungen. Veränderungen im Neigungswinkel konnten zu einer Art „Sägezahn-Effekt“ in der Kollisionsgeometrie führen, was die Haftung der Reifen negativ beeinflusste. Mit dem neuen Modell können Straßenkrümmungen nun glatter und präziser direkt in der Kollisionsgeometrie abgebildet werden – das sorgt für besseren Bodenkontakt und vorhersehbareres Fahrverhalten.

Vorbereitung auf Road Trip und neue Fahrzeugklassen

Update 1.58 markiert laut SCS nur den Anfang einer größeren Entwicklungsphase. Besonders mit Blick auf Road Trip betritt das Team physikalisches Neuland. Einige der kommenden Fahrzeuge bringen Leistungswerte mit, die bestehende Systeme an ihre Grenzen führen.

Dabei verfolgt SCS bewusst keinen reinen Renn- oder Hardcore-Simulationsansatz. Stattdessen soll das Fahrerlebnis zugänglich, stabil und glaubwürdig bleiben – auch für Gelegenheitsspieler. Fehler sollen nicht übermäßig hart bestraft werden, um den Fokus auf Erkundung und Erlebnis zu legen. Gleichzeitig ist geplant, dieses Konzept langfristig weiterzuentwickeln.

Community-Feedback ausdrücklich erwünscht

Zum Abschluss ruft SCS die Community dazu auf, die kommende Open Beta aktiv zu nutzen und Feedback zu geben. Rückmeldungen der Spieler seien ein zentraler Bestandteil der Weiterentwicklung und helfen dabei, die neuen Systeme weiter zu verfeinern.

Fazit aus SimFM-1-Sicht

Mit Update 1.58 geht SCS Software einen wichtigen Schritt, um ETS2 und ATS technisch für die Zukunft aufzustellen. Die Änderungen an Physik, Steuerung und Kollisionen sind tiefgreifend, zielen aber klar darauf ab, das bestehende Spielerlebnis zu verbessern – nicht zu ersetzen. Für Truck-Fans bedeutet das: vertrautes Fahren, aber mit mehr Feingefühl, Stabilität und Realismus.