Ein einzelner Entwickler, ein KI-gestützter Workflow und ein kompletter Flugsimulator – was nach Zukunftsmusik klingt, ist jetzt Realität. Mit seinem Projekt „Cesium Flight Simulator“ zeigt der Entwickler William Holmberg, wie schnell sich mithilfe von sogenanntem Vibe-Coding spielbare Prototypen umsetzen lassen. Doch statt nur Begeisterung erntet das Projekt derzeit auch deutliche Kritik aus der Entwickler- und Simulationsszene.
Flugsimulator in Rekordzeit – dank KI
Normalerweise dauert es Monate oder sogar Jahre, bis ein Flugsimulator zumindest in einer spielbaren Form existiert. Holmberg ging einen anderen Weg: Er nutzte eine KI-gestützte Entwicklungsumgebung, um große Teile des Codes, der Logik und der Struktur deutlich schneller umzusetzen. Das Ergebnis ist ein frei zugänglicher Prototyp, der über GitHub veröffentlicht wurde und kostenlos ausprobiert werden kann.
Der Cesium Flight Simulator erlaubt es, mit verschiedenen Fluggeräten – und sogar Fahrzeugen – die Welt zu erkunden. Eine Teleport-Funktion macht es möglich, direkt zu bekannten Städten oder Sehenswürdigkeiten zu springen, ohne lange Strecken zurücklegen zu müssen. Der Fokus liegt dabei klar auf Erkundung und Technik-Demo, weniger auf realistischer Flugsimulation im klassischen Sinne.
Google-Earth-ähnliche Welt dank Cesium
Technisch greift das Projekt auf Cesium zurück – eine Plattform für hochauflösende 3D-Geodaten, die auch von Google Earth genutzt wird. Dadurch entsteht eine globale, detaillierte Welt, die sich nahtlos überfliegen lässt. Um den Simulator lokal zu starten, benötigen Nutzer Node.js ab Version 18 sowie kostenlose API-Tokens von Mapbox und Cesium Ion. Eine ausführliche Installationsanleitung stellt Holmberg direkt auf GitHub bereit.
Warum es Kritik hagelt
Trotz der technischen Leistung ist die Resonanz gespalten. Ein Teil der Community sieht im Projekt ein spannendes Beispiel dafür, wie KI die Spieleentwicklung beschleunigen kann. Andere kritisieren jedoch genau das: Der Simulator wirke eher wie eine technische Machbarkeitsstudie als wie ein echtes Spiel. Zudem wird diskutiert, wie viel „echte Entwicklerarbeit“ noch im Projekt steckt, wenn große Teile durch KI-Unterstützung entstanden sind.
Auch rechtliche und ethische Fragen stehen im Raum – etwa zur Nutzung von Karten- und Geodaten, zur Abgrenzung zwischen Prototyp und Produkt sowie zur Zukunft klassischer Spieleentwicklung, wenn Vibe-Coding weiter an Bedeutung gewinnt.
Experiment mit Signalwirkung
Unabhängig von der Kritik zeigt der Cesium Flight Simulator vor allem eines: KI-gestützte Entwicklung ist längst keine Theorie mehr. Einzelpersonen können heute Projekte realisieren, für die früher ganze Teams nötig gewesen wären. Ob das ein Gewinn für die Simulationsszene ist oder eher für Unruhe sorgt, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen.
Fest steht: Das Projekt sorgt für Diskussionen – und genau das macht es aktuell so spannend für Entwickler, Sim-Fans und Technikbegeisterte gleichermaßen.

